Wenn du selbst Zöliakie hast, eine Person kennst, die Zöliakie hat, oder dich einfach nur für das Thema interessierst, dann findest du in diesem Beitrag, alles das, was erstmal wichtig ist!
Zöliakie ist als Krankheit sehr komplex, vieles ist bis zum heutigen Zeitpunkt auch aus medizinischer Sicht noch ungeklärt. “Zöli” (sprich Zöliakie-Betroffene:r) sein hat Auswirkungen auf das ganze Leben, nicht nur auf die Ernährung. Das alles in einem einzigen Beitrag abzuarbeiten wäre gar nicht möglich.
Wie der Titel schon sagt: ich gebe dir hier für den Anfang erstmal einen Überblick über das Thema. Also dann los.
Zöliakie wird auch als einheimische Sprue (veraltet) oder glutensensitive / gluteninduzierte Enteropathie bezeichnet. Das ist Fachchinesisch für: chronische Erkrankung, bei der die Schleimhaut des Dünndarms auf Gluten reagiert.
Was heißt reagiert? Die Dünndarmschleimheit entzündet sich und die Zotten sterben ab (Zottenatrophie).
Zotten? Befinden sich in besagter Schleimhaut des Dünndarms. Sie sehen ein bisschen aus wie Finger und besetzten die ganze Öberfläche des Dünndarms. Durch sie wird diese Oberfläche vergrößert, wodurch der Körper die Nährstoffe besser aus dem Gegessenen aufnehmen kann.
Nach aktuellen Stand der Wissenschaft ist noch nicht eindeutig geklärt, wie und warum eine Zöliakie entsteht. Die Prävalenz, also die Anzahl der Betroffenen, liegt weltweit je nach Region zwischen eins und fünf Prozent.
Aufgrund der entzündeten Dünndarmschleimhaut können Nährstoffe schlechter vom Körper absorbiert werden, was eine schlechte Nährstoffversorgung zur Folge haben kann. Die Symptome durch die sich die Krankheit äußert können aber vielfältig sein, es gibt sogar komplett symptomfreie Verläufe.
Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung und ist weder heilbar, noch medikamentös behandelbar.
Die einzig mögliche “Behandlung” besteht darin, lebenslang auf Gluten, und glutenhaltige Nahrungsmittel, zu verzichten. Betroffene können nach einem sogenannten „Diätfehler“, zusätzlich zur Schädigung der Schleimhaut, eine Reihe an Beschwerden bekommen. Welche das sind, ist von Zöli zu Zöli unterschiedlich. Ich zum Beispiel bekomme Bauchkrämpfe und Durchfall.
Anmerkung: „Diätfehler“ habe ich bewusst in Anführungszeichen gesetzt, da es sich bei der zwingend erforderlichen glutenfreien Ernährung eines Zölis nicht um eine Diät handelt, die zum Abnehmen gedacht ist. Glutenfreie Diät ist allerdings der tatsächlich verwendete fachliche Ausdruck für die glutenfreie Ernährung.
Zöliakie ist keine Modeerscheinung! Wenn ein Zöli glutenfrei isst, dann nicht, um einen Trend mitzumachen.
Leider ist diese Sicht der Dinge relativ weit verbreitet und Kommentare in der Richtung, oder sogar Rücksichtslosigkeit, können einem “echtem Zöli” nicht nur emotional weh tun, sondern auch körperlich schaden.
Es gibt keine Checkliste, die abgearbeitet werde kann und am Ende kommt dann raus: Diagnose Zöliakie. Die möglichen Symptome sind zum Teil sehr unterschiedlich, und wie schon erwähnt gibt es sogar Betroffene, die gar keine Beschwerden haben und nur durch Zufall eine Diagnose erhalten. So kann es kommen, dass die Krankheit oft lange unerkannt bleibt. Da die Zöliakie in erster Linie den Verdauungstrakt betrifft, treten die „klassischen“ Symptome auch dort auf: (chronische) Durchfälle in Begleitung von (starken) Bauchkrämpfen, zum Teil auch Übelkeit und Erbrechen, sowie Appetitlosigkeit.
Bei Kindern und Jugendlichen sind außerdem Gedeihstörungen (Wachstum / Gewichtszunahme), ein hervorgewölbter Bauch, Schmelzdefekte der Zähne und ein verzögertes Einsetzen der Pubertät zu beobachten.
Daneben gibt es auch weniger „klassische“ Symptome, die bei unbehandelten Zöliakie-Patienten häufig zu beobachten sind, wie z.B. Müdigkeit, Kraftlosigkeit, diffuse Knochenschmerzen, verringerte Knochenmineralisation, Blutarmut, Mangelversorgung anderer Mikronährstoffe und noch weitere.
Entscheidend bei der Diagnose ist zunächst, dass der behandelnde (Haus-) Arzt überhaupt auf die Idee kommt, dass es Zöliakie sein könnte. Nicht umsonst wird Zöliakie auch oft als Chamälion der Medizin bezeichnet. Um die häufig unspezifischen Symptome ging es eben schon.
Aber wie läuft das denn nun in der Regel ab, wenn ein Verdacht besteht? Zunächst wird Blut abgenommen. Diese Probe wird dann auf das Vorhandensein von bestimmten Antikörpern untersucht. Sollte der Test positiv sein, erhärtet sich der Verdacht auf Zöliakie. In einem zweiten Schritt sollte dann eine Dünndarmbiopsie gemacht werden (bei Kindern ist das unter bestimmten Umständen nicht zwangsläufig notwendig). Dabei werden Proben des Gewebes entnommen, um die Schleimhaut auf Zottenatrophie zu untersuchen. Wenn diese Untersuchung auch positiv ist, dann gilt die Diagnose als gesichert.
Die einzige “Therapie” ist der lebenslange Verzicht auf Gluten. Es gibt zur strikten glutenfreien Ernährung leider keine medikamentöse, operative oder sonstige Alternative.
Im weiteren Verlauf sollte jährlich (bei Erwachsenen mit stabilem Verlauf jedes zweite Jahr) durch eine Blutuntersuchung die Antikörperzahl bestimmt werden, damit eventuelle Diätfehler erkannt und gebannt werden können.
So jetzt haben wir schon mal einen Überblick darüber, was Zöliakie ist, wie sie sich äußern kann und was “dagegen” zu tun ist, aber was ist denn überhaupt dieses Gluten?
Gluten ist das Klebereiweiß in einigen Getreidearten. Bei der Herstellung von Teig ist es für die Zähigkeit und Elastizität verantwortlich. Gluten ist die wichtigste sogenannte funktionale Komponente in Getreide und hat Auswirkung auf die Form und den Geschmack von Backwaren. Gluten ist außer in Weizen (und sämtlichen Sorten wie z.B. Emmer, Einkorn, Kamut…) auch in Dinkel (und Grünkern), Roggen und Gerste enthalten.
Gut zu wissen: Gluten, bzw. glutenhaltiges Getreide, gehört laut einer Verordnung der EU seit einigen Jahren zu den deklarationspflichtigen Allergenen. Als glutenfrei gelten alle Produkte, die einen Grenzwert von 20 mg/kg (20 ppm) nicht überschreiten.
Was genau heißt das für uns? Es gibt kein verstecktes Gluten. Sprich, wenn du die Zutatenliste eines Produktes liest und Gluten nicht aufgeführt ist, dann ist auch keins drin!
Noch eine kurze Anmerkung dazu: Für Zölis und alle Menschen, die sich glutenfrei ernähren, kann es typisch sein einen Mangel an bestimmten Mikronährstoffen zu haben. Eine bewusste und vollwertige Ernährung ist deswegen sinnvoll.
Aber dass das sinnvoll ist, trifft eigentlich auch auf alle zu
Mais, Reis, Hirse und die sogenannten Pseudogetreidearten Buchweizen, Amaranth und Quinoa sind glutenfrei. Alle Gemüsesorten, Obstsorten, Nüsse und Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) sind auch glutenfrei, wenn sie unverarbeitet sind.
Tierischen Lebensmittel sind grundsätzlich alle glutenfrei, auch wenn die Tiere ihrerseits mit glutenhaltigen Getreide gefüttert worden sind. Das Fleisch oder andere direkt gewonnen Erzeugnisse (Milch, Eier) sind dadurch nicht kontaminiert.
Alle (weiter-) verarbeiteten Produkte müssen z.B. anhand der Zutatenliste im Einzelfall beurteilt werden.
Ein Blick auf die Zutatenliste verrät bei jedem Produkt, ob Zöliakie-Betroffene es essen dürfen oder nicht. Wie schon gesagt Gluten, oder glutenhaltiges Getreide, muss deklariert und hervorgehoben werden.
Zusätze wie „kann Spuren von … enthalten“ sind in der Regel kein Grund zur Sorge. Vorsicht ist da nur bei (eigentlich) glutenfreien Getreidesorten und Hülsenfrüchten geboten. Oft werden dieselben Mühlen und Mahlwerke für alle Getreidesorten verwendet, sodass es zu Verunreinigungen kommt und damit nicht mehr für Zölis geeignet.
Beim Einkaufen und ganz besonders bei der Zubereitung muss immer auf mögliche Kontaminationsquellen geachtet werden!
Wie bereits am Anfang erwähnt, handelt es sich hierbei nur um einen Überblick! Nach einer Zöliakie ist es wirklich dringend anzuraten eine individuelle Ernährungsberatung zu machen, damit jedes Detail der glutenfreien Ernährung (und alles was damit einhergeht) besprochen werden kann. Auch alle weiteren Aspekte einer Zöliakie-Diagnose, die zusätzlich zur Ernährungsumstellung wichtig sind, werden im Rahmen einer Ernährungsberatung eingehend besprochen.
Ich rate dringend davon ab sich selbst im Internet und in Foren „kundig zu machen“. Leider gibt es dort viele Fehlinformationen und weder ein zu striktes, noch zu lockeres Vorgehen, ist wünschenswert.
Gemeinsam stellen wir deine Küche auf den Kopf, lesen Zutatenlisten und meistern die Herausforderungen des glutenfreien Lebens.
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